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Wie nachhaltig ist der Upcycling Trend?

Die Textilindustrie gehört zu den umweltschädlichsten Branchen. Der Wasserverbrauch beim konventionellen Anbau von Baumwolle ist enorm. In der Modeindustrie findet der größte CO2-Ausstoß während der Stoffproduktion statt. Hinzu kommen die Chemikalien für Färbung und Druck. Und schließlich machen die sozialen Medien zunehmend auf soziale Missstände in den Fabriken aufmerksam. Kein Wunder, dass Umweltaktivist*innen nach Lösungen suchen, die Modebranche nachhaltiger zu gestalten. Upcycling ist ein Thema, das relativ einfach umzusetzen ist. Junge Modedesigner und nachhaltige Startups begeistern mit kreativen Upycycling Ideen ihre achtsamen Kunden. Aber auch Luxusmarken und Modekonzerne sehen sich gezwungen, das Thema aufzugreifen. Die Pandemie befeuert das Thema zusätzlich.

 

Aufwerten statt Wegwerfen: Upcycling spart Rohstoffe

Unter Upcycling versteht man eine Methode, Abfall zu bearbeiten und ihm dadurch einen neuen Wert zu verleihen. Anders als beim Recycling (auch Downcycling genannt) wird die Qualität des Produktes durch das Upcycling erhöht. Da Textilien sich nur schwer recyceln lassen, macht es Sinn, sie zu reparieren oder umschneidern zu lassen. So können Energie und Rohstoffe gespart werden. Auf YouTube  häufen sich DIY Anleitungen, wie man zum Beispiel Wolldecken zu rustikalen Wintermänteln und abgelegte Jeans zu Kosmetikbeuteln verwandeln kann. Das Schweizer Label Freitag ist ein Vorreiter auf dem Gebiet des Upcycling: Die Marke wurde bekannt mit Taschen aus aufgearbeiteten LKW-Planen. Bridge and Tunnel ist ein Modelabel, das professionelles Jeans Upcycling betreibt. In der kleinen Wilhemsburger Werkstatt hauchen gesellschaftlich benachteiligte Näherinnen gespendeten alten Jeans ein neues Leben ein: So entstehen wunderschöne Taschen und Wohnaccessoires, die mit einer verstaubten Öko-Ästhetik nichts mehr zu tun haben.

 https://bridgeandtunnel.de

 

Upcycling: Lieblingstrend der Modedesigner

 Die Luxus-Brands beschäftigen sich 2020 kreativ mit den Restbeständen und reagieren auf die  Restriktionen, denen sie zusätzlich in der Pandemie ausgesetzt sind. Kluge Marketingköpfe machen aus der Not eine Tugend und nutzen Upcycling Projekte für innovative Kampagnen. "Made in Britain" ist die kleine Sonderkollektion von JW Anderson, die der Designer ausschließlich in  britischen Manufakturen und aus den Schnitten und Stoffen der letzten Saison herstellen ließ. Der Lockdown hatte nämlich die Stoffbeschaffung des Modeunternehmens beeinträchtigt.

https://www.jwanderson.com/de/sets/made-in-britain

 

Das italienische Label Miu Miu brachte pressewirksam eine Upcycling-Kollektion heraus, die aus 80 originalen Vintage-Kleidern der Marke bestand. Diese Preziosen wurden in internationalen Second-Hand-Shops aufgespürt und liebevoll von Hand aufgearbeitet. 

Link: https://www.miumiu.com/de/de/miumiu-club/special-projects/upcycled.html

 

Solche "Limited Editions" verkaufen sich zwar nicht in großen Mengen, betonen aber die Einzigartigkeit der Upcycling Kleidung. So entstehen begehrenswerte Investitionsobjekte mit Sammlerwert. Auch wenn sich die Upcycling Kampagnen der Modekonzerne auf einem schmalen Grat zwischen Zeitgeist und Greenwashing befinden: Diese innovativen Ansätze werden mit Sicherheit weitere Akteure in der Modewelt inspirieren.

 

DIY Trend: Upcycling-Mode selbst machen

Angesichts der verheerenden Situation in der Modebranche entwickeln viele Konsumenten eine neue Achtsamkeit. Sie denken über das Reparieren von geliebten Kleidungsstücken nach, kaufen in Second-Hand-Shops und lassen das schräge Erbstück von Oma beim Schneider zu einer stylischen Kreation umschneidern. Auch in der Generation Z ist der Trend zu einem nachhaltigen Lifestyle angekommen. Sie zeigen in frechen TikTok-Videos, wie die Follower ihren Abfall verringern und kreative DIY-Projekte umsetzen können.

Zwar können die riesigen Berge von Restanten durch diese kleinen Upcycling-Ideen nicht abgebaut werden. Es entsteht jedoch das gute Gefühl, der Situation nicht ohnmächtig gegenüber zu stehen. Tatsächlich aber können nur gemeinsame Strategien von Industrie und Politik ein Umdenken der Modeindustrie bewirken. Wenn weltweit weniger Textilien hergestellt werden, sparen wir Ressourcen und verringern die Umweltbelastung durch Färbemittel, Pestizide und Transport. Mehr zum Thema nachhaltige Produktion am Beispiel von Bio-Jeans erfährst Du hier: